Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben. Dieser Gedanke kann nicht genügend betont werden.“
W.I. Lenin, Was Tun?

Dieser blog soll in Zukunft dazu genutzt werden, linke Schulungs- und Arbeitsmaterialien in einer Form frei zur Verfügung zu stellen, die es Gruppen/Projekten etc. ermöglicht, diese als Grundlage ihrer eigenen Theoriearbeit zu verwenden. Hierbei soll es zunächst um linke/antikapitalistische/antifaschistische/antiimperialistische etc. Grundlagen gehen, nicht etwa um philosophische Fachdebatten. Diese sollen so aufgearbeitet werden, dass sie auch für Einsteiger_innen verständlich und nachvollziehbar sind, aber tiefer aufgearbeitet werden und mehr Raum für Diskussionen liefern, als dies im Rahmen von Vorträgen oder Seminaren möglich ist. Wir wollen Anregungen zu einer gemeinsamen und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit linker Theorie geben. Dabei halten wir es für sinnvoll, stets so nah wie möglich an den Originaltexten zu arbeiten und wollen auch unerfahrene Leser_innen ausdrücklich zur gemeinsamen Lektüre der „Klassiker“ ermutigen.

Und warum das alles ?

Da linke Theorie ohne Praxis leer, ebenso aber linke Praxis ohne Theorie stets blind ist, muss unser kämpferisches Engagement untrennbar verbunden sein mit der kollektiven, undogmatischen Aneignung der Geschichte und Theorie der Arbeiter_innenbewegung, der antiimperialistischen und antikolonialistischen Befreiungskämpfe und anderer revolutionär-emanzipatorischer Bewegungen. Ohne diese theoretische Arbeit ist konsequenter Antikapitalismus unmöglich und verbleibt letztlich auf dem Niveau eines ziel- und orientierungslosen Aktionismus, der ins Leere läuft, einer Politik, die nur Symptome bekämpft, ohne sich ihrer Ursachen bewusst zu sein.

Gerade heute ist diese eigenständige Bildungsarbeit umso notwendiger. Seit der Gründung der BRD 1949 ist der Antikommunismus ihre hegemoniale Staatsdoktrin. Seit der Öffnung der Berliner Mauer und dem Ende der DDR und der Sowjetunion 89/90 haben sich diese Tendenzen in Deutschland noch verschärft, am deutlichsten durch das systematische Entfernen kommunistischer Inhalte aus den Massenmedien, dem öffentlichen Leben und den Geschichtsbüchern. Der Kapitalismus und seine Apologeten treiben den Kampf um die Köpfe der Menschen an allen Fronten voran, besonders in der Wissenschaft und im Bildungssystem. Marxistische und andere linke Intellektuelle werden systematisch aus den Universitäten verdrängt, kapitalismuskritische Inhalte aus Schulen und Hochschulen verbannt. Die Gesetze des Marktes und der Konkurrenz werden den Menschen als überhistorisch gültige Naturgesetze gepredigt und das Verhalten der Menschen unter diesen Bedingungen zur allgemein menschlichen Natur erklärt.

Es gehört zu unseren Aufgaben als revolutionäre Linke, uns auch das Wissen um die politische Praxis der Vergangenheit anzueignen, also die historischen Erfahrungen, die im Kampf gegen die kapitalistische Ordnung bisher gesammelt wurden: die Klassenkämpfe der Arbeiter_innenbewegung auf der ganzen Welt, der antifaschistische Widerstand, Revolutionen, sozialistischer Aufbau, antiimperialistische Widerstandskämpfe, Kampf gegen Konterrevolution und Reaktion. Diese Kenntnisse sind Voraussetzung dafür, dass wir eine der Gegenwart angemessene und in die Zukunft gerichtete Praxis entwickeln. Wir müssen aus den Erfolgen, den Erkenntnissen und auch den Fehlern jener lernen, die vor uns gekämpft haben.

Jedoch genügt es nicht, dass sich einige Wenige dieses Wissen aneignen. Ziel unserer gemeinsamen Praxis darf nicht sein, uns in Theoriezirkel zu zersplittern und die Emanzipation der Menschen auf dem Reißbrett zu planen. Im Gegenteil!
Die Revolutionäre Bewegung nimmt ihren Anfang nicht im akademischen Elfenbeinturm sondern auf der Straße, in den Betrieben und den Organisationen der Arbeiterschaft, an den Universitäten und Schulen. Deshalb darf unsere gemeinsame theoretische Arbeit auch nicht darauf konzentriert sein, einzelne Expert_innen hervorzubringen, sondern sie muss darauf abzielen, ein kollektives Bewusstsein zu schaffen, das sich in eine kollektive Praxis übersetzten lässt.

Antonio Gramsci schreibt dazu in seinen Gefängnisheften: “Dass eine Masse von Menschen dahin gebracht wird, kohärent und auf einheitliche Weise zu denken, ist eine philosophische Tatsache, die viel wichtiger und origineller ist, als wenn ein philosophisches Genie eine neue Wahrheit entdeckt, die Erbhof kleiner Intellektuellengruppen bleibt. (…) Eine neue Kultur zu schaffen bedeutet nicht nur, individuell originelle Entdeckungen zu machen, es bedeutet auch und besonders, bereits entdeckte Wahrheiten kritisch zu verbreiten, sie sozusagen zu vergesellschaften.”

Und genau diese Vergesellschaftung von Wissen und Fähigkeiten muss Ziel unseres gemeinsamen Lernprozesses sein. Da, wie Lenin schreibt, die Massen das revolutionäre Bewusstsein nicht von sich aus entwickeln, ist es die Aufgabe der Kommunist_innen, es in sie hineinzutragen. Damit meinte Lenin keinen Akt des Aufzwingens oder der unterschwelligen Manipulation, sondern einen des gemeinsamen Begreifens der eigenen Interessen durch den Kampf und die Diskussion. Es gilt, kollektiv und kontinuierlich voneinander zu lernen und einander zu lehren, nur so lässt sich eine Organisation schaffen, die als ganze schlagkräftig ist und nicht blind einer Lehre folgt, die von ihren einzelnen Gliedern nicht verstanden, vertreten und verteidigt werden kann.

In diesem Sinne:
Für den Kommunismus !